Reisebericht: Ein Städtetrip nach Lissabon
Portugal

Unsere Reiseexpertin Claudia war zwei Wochen mit dem Mietwagen in Portugal unterwegs. Der Auftakt ihrer Reise beginnt mit einer Städtereise in Lissabon, auf der wir Sie heute mitnehmen wollen.
Schon bei unserer Ankunft spüren wir: Lissabon wird uns in seinen Bann ziehen. Die Hauptstadt und zugleich größte Stadt Portugals liegt vor uns – und wir haben drei Tage Zeit, die oft als „Stadt des Lichts“ bezeichnete Metropole zu erkunden.
Was zunächst nach entspannten Tagen voller Entdeckungen klingt, entpuppt sich schnell als ambitioniertes Vorhaben. Während wir unsere Route planen, wird uns klar: Diese Reise wird intensiv, spannend und voller Eindrücke – aber auch überraschend fordernd. Schließlich befinden wir uns in der berühmten „Stadt der sieben Hügel“, und jeder einzelne davon will erklommen werden.
Zum Glück stoßen wir auf die Lisboa Card, die sich schon jetzt als echter Glücksgriff erweist. Mit ihr können wir nicht nur die öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt bequem und ohne zusätzliche Kosten nutzen, sondern erhalten auch freien Eintritt zu vielen Sehenswürdigkeiten und Museen.

Unser Abenteuer in Lissabon kann beginnen
Wenn man an Lissabon denkt, entstehen sofort diese typischen Bilder im Kopf: die berühmten, quietschgelben alten Straßenbahnen, die sich knatternd durch enge Gassen schlängeln, oder das imposante Entdeckerdenkmal, das an jene Persönlichkeiten erinnert, die Portugal einst zu einer der bedeutendsten Seefahrernationen machten.
Auch die gewaltige Ponte 25 de Abril zieht sofort die Blicke auf sich. Sie erinnert mit ihrer markanten Silhouette zwar an die Golden Gate Bridge, trägt ihren Namen jedoch zu Ehren der Nelkenrevolution – ein Symbol für den Aufbruch in eine neue Zeit.
Natürlich stehen auch die großen Wahrzeichen ganz oben auf unserer Liste: das beeindruckende Mosteiro dos Jerónimos, wo die berühmten Pastéis de Nata – hier als Pastéis de Belém bekannt – ihren Ursprung haben, und der Torre de Belém, der vielleicht ikonischste Ort der Stadt. An ihnen kommt wohl niemand vorbei, der Lissabon besucht.
Doch je länger wir uns mit der Stadt beschäftigen, desto deutlicher wird: Neben diesen bekannten Highlights sind es oft die „leisen“ Sehenswürdigkeiten, die den eigentlichen Zauber ausmachen. Kleine, unscheinbare Orte, die man leicht übersieht – und die sich erst beim genaueren Hinsehen offenbaren. Gerade sie machen den Reiz dieser Stadt aus und sind mindestens genauso faszinierend wie die großen, berühmten Attraktionen.

Ein Fahrstuhl der die Stadt verbindet
Mitten im Herzen von Lissabon stoßen wir auf ein Bauwerk, das sofort ins Auge fällt: der Elevador de Santa Justa. Der Aufzug aus dem Jahr 1902 wirkt mit seiner filigranen Eisenkonstruktion fast wie ein kleiner Bruder des Eiffelturms – kein Zufall, denn entworfen wurde er von einem Schüler Gustave Eiffels. Heute verbindet er zwei Stadtteile auf elegante Weise miteinander und bringt uns bequem nach oben.
Dort angekommen erwartet uns ein Ort, der sofort eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlt: das Carmo-Kloster. Die ehemalige Klosteranlage aus dem 14. und 15. Jahrhundert wurde beim verheerenden Erdbeben von Lissabon 1755 schwer zerstört. Der Wiederaufbau kam nie wirklich zum Abschluss – und genau das macht den Reiz dieses Ortes aus. Heute steht die Anlage als eindrucksvolle Ruine da, offen zum Himmel, voller Geschichte und mit einer fast schon magischen Ausstrahlung, die uns für einen Moment innehalten lässt.
Unsere Entdeckungstour führt uns weiter in die Alfama, den ältesten Stadtteil der Stadt. Enge Gassen, verwinkelte Wege und das Gefühl, in eine andere Zeit einzutauchen. Hoch über der Altstadt thront das Castelo de São Jorge und belohnt uns mit einem atemberaubenden Blick über die Dächer Lissabons bis hin zur Ponte 25 de Abril.
Und dann heißt es: Einsteigen bitte! Eine Fahrt mit der legendären Tram 28 gehört einfach dazu. Ruckelnd und klingelnd bringt sie uns durch die unterschiedlichsten Viertel der Stadt bis zur Endhaltestelle.
Dort wartet ein eher ungewöhnlicher Ort auf uns: der Cemitério dos Prazeres. Der Friedhof aus dem Jahr 1833 beeindruckt mit seinen aufwendig gestalteten Grabmälern, die nicht nur Geschichten erzählen, sondern auch einen Einblick in den Geschmack und die Lebensverhältnisse vergangener Generationen geben.

Geheimtipp: Das Aqueduto das Águas Livres
Etwas abseits der typischen Touristenpfade entdecken wir schließlich noch ein echtes Highlight: das Aqueduto das Águas Livres. Im 18. Jahrhundert erbaut, sicherte es einst die Wasserversorgung der Stadt. Heute kann man auf einem Teilstück von etwa einem Kilometer darüber spazieren – ein besonderes Erlebnis. Beeindruckend ist vor allem, dass dieses Bauwerk sogar das schwere Erdbeben von 1755 nahezu unbeschadet überstanden hat und bis 1967 in Betrieb war.
Zurück im Herzen von Lissabon gönnen wir uns zum Abschluss noch einmal einen ganz besonderen Moment. Unten in den Straßen herrscht dichtes Gedränge, das Leben pulsiert – doch nur wenige Meter darüber finden wir überraschende Ruhe. Auf der Aussichtsplattform des Arco da Rua Augusta genießen wir einen letzten, unvergesslichen Blick über die Stadt.
Von hier oben wird die Struktur des Viertels Baixa besonders deutlich: wie ein Schachbrett angelegt, klar und geordnet. In die andere Richtung öffnet sich die weite Mündung des Tejo, die sich glitzernd bis zum Horizont erstreckt – ein Anblick, der uns noch einmal bewusst macht, wie eng diese Stadt mit dem Wasser und ihrer Geschichte verbunden ist.
Während wir dort oben stehen, wird uns klar: Lissabon hat für jeden etwas zu bieten. Neben den bekannten Sehenswürdigkeiten sind es vor allem die persönlichen Entdeckungen, die diese Reise so besonders machen. Je tiefer man in die Geschichte und das Lebensgefühl dieser Stadt eintaucht, desto mehr offenbart sie ihren ganz eigenen Zauber.
Eines steht für uns fest: Wer sich auf Lissabon einlässt, sollte sich Zeit nehmen. Denn diese Stadt belohnt jeden Moment – und bleibt noch lange im Gedächtnis.
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